Juuling – Vape-Trend aus den USA

Filed in Dampfer & e-Zigaretten Blog by on 18. September 2018 0 Comments

"Juuling" Pen Device

Ein fragwürdiger Trend ködert vor allem Jugendliche

„Juul is cool“, „Juul is secret“ oder „Juul is  trendy“ oder ähnlich klingen in den USA die Aussagen junger Leute, zu einem – meiner Meinung nach – sehr fragwürdigen Produkt, das (gewollt oder nicht) vor allem Jugendliche ködert. Während die E-Zigaretten-Branche hierzulande darum kämpft, dass die e-Zigarette nicht als Einstiegdroge für späteres Rauchen deklariert wird, und vor allem keine Minderjährigen zum Dampfen animieren will, zeichnet sich in den USA ein völlig irrsinniger Trend ab. Dieser könnte die e-Zigarette leider auch bei uns wieder in ein schlechteres Licht rücken und schlimmstenfalls sogar zu neuen Verboten führen.

Was ist Juuling bzw. was bedeutet es?

Der Begriff entstammt dem US-Unternehmen „JUUL Labs“ aus San Francisco, das 2015 eine USB-Stick-artige e-Zigarette namens „Juul“ entwickelt und auf den Markt gebracht hat. „Juuling“ ist ein Modebegriff und gleichzusetzen mit „Inhalieren“ – nur klingt er für die US-Kids eben viel cooler als „smoking“ oder „vaping“. So hat sich der Begriff in den USA schließlich als Standardbezeichnung fürs Dampfen etabliert, ganz ähnlich wie sich „googeln“ bei uns als Standardbegriff für eine Internetrecherche etabliert hat. Bei bereits 72 Prozent aller in den USA verkauften elektrischen Zigaretten handelt es sich laut der New York Times“ um „Juuls“, womit sich das Unternehmen binnen kürzester zum Marktführer befördert hat.

Juul-Vape e-Zigarette

Eltern und Ärzte sorgen sich

Die FDA spricht von einer regelrechten „Juuling-Epidemie“ unter Jugendlichen und erwägt deshalb sogar ein generelles Verbot aller aromatisierten E-Zigaretten. Amerikanische Ladenbesitzer beobachten, dass die Regale mit den neuartigem „Juul Vapes“ regelrecht leergefegt werden, weil sie klein und somit sehr diskret, einfach zu bedienen und mit ihrem überproportionalen Gehalt an Nikotin überaus leistungsfähig sind. Und das sind genau die Knackpunkte, die vor allem Jugendschützer auf den Plan rufen.

Auf Youtube, Twitter, Instagram & Co. kursieren zahlreiche Videos, in denen Jugendliche in der Schultoilette und sogar im Klassenzimmer heimlich „juulen“ und sich darüber amüsieren, dass ihnen niemand auf die Schliche kommt. Die sehr kompakten „Juul Vapes“ sehen aus, wie ein unscheinbarer USB-Stick und sind deshalb sehr leicht zu tarnen, was es für Eltern, Lehrer und Aufsichtspersonen schier unmöglich macht, die Geräte als E-Zigaretten zu erkennen.

Ein Schulbezirk in Pennsylvania verbot vor kurzem sogar Flash-Speichersticks, weil sie den „Juul Vapes“ optisch zu ähnlich waren. Die meisten Eltern wissen noch nicht einmal, dass Ihre Kinder „juulen“ und spätestens mit dem Erreichen des 18. Lebensjahrs schwindet der Einfluss auf die Sprösslinge sowieso. Und dass Verbote im Allgemeinen bei Kids nichts oder nur wenig bringen, weiß man bereits vom Tabakrauchen, vor allem „… wenn dass alle anderen doch auch tun“ und der oder die Jugendliche nicht ausgegrenzt werden will.

Eigentlich haben zahlreiche Werbeverbote und ein strenger Jugendschutz in den USA große Wirkung gezeigt. Während dadurch die Zahl der minderjährigen Tabakkonsumenten in den letzten Jahren permanent abgenommen hat, verzeichnen Eltern, Lehrer und Behörden mit „Juuling“ aber nun einen gegenteiligen Trend, der Grund zu Besorgnis und eine neue Angriffsfläche gegen das Dampfen allgemein darstellt. Insgesamt konsumierten 2017 laut der amerikanischen FDA (Food and Drug Administration) bereits mehr als 2 Millionen Schüler der Middle- und Highschools elektronische Zigaretten.

Dampfen ist inzwischen eine beliebte Alternative, die – bei Einhaltung des Jugenschutzes (Verkauf erst ab Volljährige) – ja eigentlich auch sinnvoll für ehemalige erwachsene Raucher ist, deren Versuche vom Tabak loszukommen bislang gescheitert sind. Gefährlich beim „Juuling“ ist aber vor allem der hohe Nikotingehalt, der die Gefahren einer Sucht nicht nur bei Minderjährigen signifikant erhöht.

„Juul Labs“, der kalifornische Hersteller dieser fragwürdigen E-Zigaretten, von sich behauptet, man richte sich mit den Angeboten keinesfalls an Jugendliche. Angesichts der verfügbaren Aromen und irreführenden Produktnamen wie z. B. „Cool Cucumber“, Creme Brulee“ oder „Fruit Medley“ kann man sich über diese Aussage nur wundern.

Update: Mittlerweile hat „Juul Labs“ auf den öffentlichen Druck reagiert und seine Produktbezeichnungen entschärft. Aus „Cool Cucumber“ wurde „Cucumber, aus „Creme Brulee“ wurde „Creme“ und „Fruit Medley“ heißt jetzt nur noch „Fruit“.

Ein Highschool-Lehrer, den die New York Times in einem Artikel zitiert, bringt es auf den Punkt: „Wenn du auf die Toilette gehst, ist die Wahrscheinlichkeit gleich null, einen Zigarettenraucher anzutreffen, aber die Chance dass 5 Typen dort juulen liegt bei 50 Prozent“.

Gefährlich hoher Nikotinanteil

Bei den „Juul Vapes“ handelt es sich um Kartuschen-Systeme mit einem grenzwertig hohen Nikotinanteil von 5 %. Dies entspricht (wohlgemerkt pro Kartusche) einem Nikotingehalt, der dem einer 20er-Packung konventioneller Tabakzigaretten entspricht. Hinzu kommt, dass in der zu verdampfenden Flüssigkeit kein flüssiges Nikotin, sondern Nikotinsalz enthalten ist. Nikotinsalze kratzen viel weniger im Hals und erleichtern die Aufnahme des hochdosierten Nikotins somit ungemein. Dies macht es für Jugendliche noch attraktiver, auf den „Juuling“-Zug aufzuspringen und überall und jederzeit – diskret und quasi unbemerkt – Nikotin zu inhalieren.

Während erwachsene E-Zigarettendampfer zum großen Teil versuchen, den Nikotingehalt ihrer Liquids stufenweise bis 0 mg herunterzufahren, ist der hohe Nikotinateil und garantierte Kick der „Juul Vapes“ seltsamerweise genau das, was sie für jüngere Leute so interessant macht.

Schlupflöcher beim Verkauf an Minderjährige

Jugendlicher Vaper

Trotz des Verkaufsverbots an Minderjährige (in Kaliforniern gar an Personen unter 21 Jahren), gibt es in den USA augescheinlich immer wieder Schlupflöcher. Entweder nehmen die US-Verkäufer den Jugenschutz nicht so ernst und drücken auch gerne mal ein Auge zu, wenn es um Umsatz geht, oder ein volljähriger Bruder, Freund bzw. andere Erwachsene versorgen die Kids mit der für sie eigentlich verboteten Substanz. Anders ist es wohl kaum zu erklären, dass sich das Produkt als regelrechter Selbstläufer unter den US-amerikanischen Jugendlichen breitmacht und nicht nur der E-Zigaretten-Konkurrenz, sondern mittlerweile sogar auch etablierten Tabakkonzernen das Fürchten lehrt.

Die amerikanischen Behörden sind jedenfalls alarmiert. Am 12. September gab die FDA bekannt, dass sie mehr als 1.300 Warnschreiben und Geldbußen an Einzelhändler verschickt hat, die nachweislich „Juuls“ und andere E-Zigaretten im Sommer illegal an Minderjährige verkauft hatten.

„Wir sehen deutliche Anzeichen dafür, dass der Anteil der Jugendlichen, die elektronische Zigaretten konsumieren, einen epidemischen Anteil erreicht hat“, sagte FDA-Kommissar Scott Gottlieb am Mittwoch. „Wir können nicht zulassen, dass eine ganz neue Generation vom Nikotin abhängig wird.“

Mögliche Konsequenzen für uns Europäer?

Sollten die amerkanischen Behörden tatsächlich ein generelles Verbot aller aromatisierten E-Zigaretten erwirken, so hätte dies mittel- bis langfristig auch Folgen für uns.

  1. Zum einen würden die US-Hersteller dann erhöht den europäischen Markt ins Visier nehmen und somit den Konkurrenzdruck erhöhen.
  2. Zum anderen hätten europäische und asiatische Hersteller dann erhebliche Schwierigkeiten, ihre Produkte auf dem amerikanischen Kontinent an den Mann zubringen, bzw. es wäre gar unmöglich überhaupt noch dort Fuß zu fassen.
  3. Die allseits bekannten E-Zigarettengegner sowie Pharma- und Tabaklobbyisten hätten gute Argumente, europäische Politiker zu beeinflussen und so ein derartiges Verbot auch bei uns zu erwirken.

Aromenverbot = komplett an der der Realität vorbei

Würden die US-Behörden tasächlich aromatisierte e-Zigarettenprodukte vervieten, ginge das völlig an der Realität vorbei. Nicht die enthaltenen Lebensmittelaromen sind bedenklich, sondern ausschließlich das hochdosierte Nikotin der „Juul Vapes“. Stattdessen wäre es sicher vorteilhafter, wenn man die Dosierung des Nikotins auf einen vernünftigen Level limitieren würde, anstatt gleich der gesamten Branche den Boden unter den Füßen wegzuziehen.

Mögliche Lösungansätze für die Hersteller und die Politik:

Ich war schon immer gegen Verpackungen und Liquidfläschchen, die aussehen wie Nesquik, Fanta & Co. und verstehe nicht, wie verantwortungslos man mit derartigen Werbemaßnahmen (wissentlich oder unwissentlich) auf eine komplett falsche Klientel – nämlich mitunter auch Jugendliche und Minderjährige – abzielt. Gegen eine kompakte E-Zigaretten-Innovation spricht meines Erachtens überhaupt nichts, aber warum muss man diese mit Kartuschen bestücken, die einen grenzwertigen Nikotingehalt aufweisen, der sogar Behörden alarmiert und zu Konsequenzen aufruft? Und das ausgerechnet in den USA, wo Jugendschutz und gesundheitliche Asspekte einen so hohen Stellenwert genießen?

Und warum muss man bei Produkten die sich ausschließlich an Erwachsene richten, marketingtechnisch auf die Bubble-Gum-, Kaba-, und Happy-Meal-Schiene zurückgreifen, während die Tabakonzerne gleichzeitig Raucherbeine und schwarze Lungen auf den Packungen abbilden müssen. Dies gilt nicht nur für die neuartigen „Juules“, sondern generell auch für andere Hersteller, deren Produkte aussehen wie aus dem Süßwarenregal eines Supermarktes.

Dies wäre mal ein konstruktiver Ansatz für den Gesetzgeber, anstatt immer neue Verbote und Restriktionen gegenüber erwachsenen Menschen und ganzen Branchen und Märkten umzusetzen. Die Porno-Branche z. B. wirbt ja schließlich auch nicht mit Kaugummi- und Bussi-Bär-Plakaten. Tabakprodukte dürfen ja auch nicht aussehen wie Gummibärchen, sondern tragen Warnhinweise und Ekelfotos. Der E-Zigarettenbranche könnte man demnach ja ebenfalls vorschreiben, wie die Verpackungen auszusehen haben.

Ein generelles Verbot von aromatisierten E-Zigarettenprodukten ist jedoch absoluter Schwachsinn. Wenn der Jugendschutz nicht greift, weil Erwachsene gewisse Verbote umgehen, muss das härter bestraft oder der Jugendschutz weiter verschärft werden! Alkohol wird ja auch nicht verboten, nur weil Jugendliche – auf welchen Wegen auch immer – theoretisch an Alkohol gelangen können. Sogar die umstrittenen Alkopops werden weiterhin verkauft, lediglich die Warnhinweise „nur an Erwachsene“ wurden auf den Etiketten vergrößert und die Alkoholsteuer darauf erhöht.

Ansatz für Liquid-Hersteller

Allem Anschein nach schaufeln sich etliche Hersteller mit verspielt-bunten Verpackungs-Bildchen und cool klingenden Produktbezeichnungen langsam aber sicher das eigene Grab, da man selbstverständlich damit rechnen muss, dass diese Handhabe auch Jugendliche und schlimstenfalls sogar Kinder anspricht. Um nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen wäre es doch intelligenter, die Verpackungen einfach freiwillig neutral zugestalten. Das Firmenlogo, die erforderlichen Informationen und wonach es schmecken soll würden doch völlig ausreichen und für Minderjährige viel weniger verlockend wirken. So könnte man guten Willen zeigen und der Branche, die auch so schon permanent unter Dauerbeschuss steht, insgesamt weniger Angriffsfläche bieten.

Weiterführender Link

Der folgfende Link führt zu einem Artikel der New York Times, der sich umfassend mit dem Thema „Juuling“ auseinandersetzt:

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